Schlaganfall beim Hund Vorbeugen, Erkennen und Therapieren

Autor: Dr. Barbara Wilm | Zuletzt bearbeitet: 13. Mai 2022 | Lesezeit: 15 min

Wenn das Gehirn plötzlich nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird, fehlt es innerhalb kürzester Zeit an lebenswichtigem Sauerstoff und anderen Nährstoffen in den Zellen. Es droht der Zelltod, wodurch der betroffene Bereich des Gehirns seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen kann und es zu unterschiedlichen Störungen und Ausfallserscheinungen des Organismus kommt. Dieser in der Medizin auch als Apoplex bezeichnete Zustand kann viele unterschiedliche Ursachen haben, erfordert aber in jedem Fall ein schnelles tiermedizinisches Eingreifen, um schwerwiegende und bleibende Schäden oder gar den Tod des Hundes zu verhindern.

Ursachen

Die Ursachen für eine Mangeldurchblutung im Gehirn sind entweder eine Hirnblutung infolge eines beschädigten Blutgefäßes, oder die Verstopfung einer Ader durch ein Blutgerinnsel. In beiden Fällen kommt in den hinter der Störung liegenden Gewebebereichen nicht mehr ausreichend Blut an, die Zellen erleiden eine Unterversorgung und sterben schlimmstenfalls ab. Da im Gehirn sämtliche Körperfunktionen und Bewegungsabläufe gesteuert werden, kommt es in der unmittelbaren Folge zu Ausfällen der Funktionen, deren Schaltzentrale in der betroffenen Hirnregion liegt.

Zu einer Hirnblutung kann es zum Beispiel infolge eines Traumas (Unfall, Schlag, Stoß) kommen, aber auch manche Vergiftungen, etwa durch Rattengift, führen zu einer erhöhten Blutungsneigung. Andere Grunderkrankungen können die Fließgeschwindigkeit des Blutstroms verlangsamen oder auch die Gerinnungsneigung des Blutes verändern, wodurch sich Gerinnsel bilden und Gefäße verstopfen können. Auch raumgreifende Prozesse wie etwa Tumoren im Schädelbereich können den Blutfluss im Gehirn behindern.

Hier einige Risikofaktoren für einen Schlaganfall:
  • Nierenerkrankungen
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Herzerkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Übergewicht
  • Entzündungen im Gehirn
  • Infektionskrankheiten
  • Parasiten (z.B. Herzwurmbefall)
  • Tumorerkrankungen
  • Traumata

Symptome und Diagnose

Erste Anzeichen, die auf einen Schlaganfall beim Hund hindeuten können, treten meist plötzlich auf und können sehr dramatisch sein. Allerdings kommt es dabei auch auf die Lokalisation der Störung an, da in den einzelnen Hirnarealen sehr unterschiedliche Körperfunktionen gesteuert werden. Hier einige besonders auffällige Symptome, die bei einem Apoplex auftreten können:

  • Kopfschiefhaltung
  • Gleichgewichtsstörungen (Unsicherheit, Drehbewegung, Taumeln)
  • Eingeschränktes Sehvermögen
  • Gestörtes Allgemeinbefinden (Apathie, Schwäche)
  • Unkontrollierte Augenbewegungen (Nystagmus)
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Hund verliert Urin
  • Krämpfe
  • Lähmungserscheinungen (oft einseitig)

Zur Diagnosesicherung wird der Tierarzt nach der ersten Allgemeinuntersuchung des Hundes weitere Untersuchungsmethoden anwenden. Laborwerte können einen Hinweis auf eine mögliche Grunderkrankung liefern, die Untersuchung des Augenhintergrundes lässt Rückschlüsse auf einen erhöhten Druck in Blut- und Hirngefäßen zu, durch eine MRT- oder CT-Untersuchung können akute Blutungen im Gehirn sichtbar gemacht werden.

Differenzialdiagnostisch müssen auch andere Ursachen für die Ausfallserscheinungen bedacht werden, so zum Beispiel traumatische Verletzungen, Tumore, Entzündungen im Gehirn und andere Grunderkrankungen. Eine Störung im Bereich des Innenohrs, das sogenannte Vestibularsyndrom, kommt vor allem bei älteren Hunden häufiger vor und kann zu sehr ähnlichen Symptomen führen wie ein Hirnschlag, weshalb es dabei häufiger zu Fehldiagnosen kommen kann.

Quelle:  Przemyslaw Iciak

Therapie

Zur Behandlung eines Schlaganfalls wird der Tierarzt zunächst die akuten Symptome therapieren. Krampflösende und beruhigende Mittel helfen dem Hund, zur Ruhe zu kommen. Auch gegen Übelkeit und Erbrechen helfen entsprechende Medikamente. Eventuell muss der Vierbeiner eine Infusion erhalten oder zur Beobachtung vorübergehend in der Praxis oder Klinik bleiben. Wird eine auslösende Grunderkrankung beim Hund festgestellt, so muss diese entsprechend behandelt werden, um weitere Folgeprobleme zu vermeiden. Raumgreifende Prozesse im Schädelbereich wie etwa ein Tumor, ein Ödem oder Bluterguss nach einem Schlag oder Stoß erfordern meist einen operativen Eingriff.

Entscheidend für den Erfolg der Therapiemaßnahmen, ist die Schwere der Hirnschädigung durch die Mangelversorgung. Aber auch die schnelle und vor allem besonnene Reaktion des Hundehalters, sobald er die ersten Symptome bei seinem Vierbeiner wahrnimmt und richtig deutet.

Erste-Hilfe-Maßnahmen, wenn der Hund einen Schlaganfall hat:

  • Ganz wichtig ist es, ruhig zu bleiben und den Hund nicht zusätzlich durch panisches Verhalten zu irritieren.
  • Mögliche Verletzungsgefahren für den Hund, wenn er krampft oder durch die Gleichgewichts- und Sehstörungen gegen Möbel stößt, müssen minimiert werden.
  • Liegt der Hund, sollte er weich und bequem gelagert werden.
  • Wenn der Hund nicht krampft, kannst Du ihm Wasser anbieten, um eine zusätzliche Verdickung des Blutes durch Austrocknung zu verhindern.
  • Beruhigendes Streicheln und Sprechen hilft dem Hund, zur Ruhe zu kommen.
  • Vor dem Transport zum Tierarzt solltest Du diesem die Symptome Deines Hundes kurz telefonisch schildern, damit er bereits erste Maßnahmen vorbereiten kann.
  • Auf der Fahrt zur Praxis sollte bestenfalls eine zweite Person den Hund beruhigen und sich um ihn kümmern.

Verlauf

Nach einem Schlaganfall kann ein Hund wieder vollständig genesen, es können aber auch Spätfolgen zurückbleiben. Je nachdem, welche Regionen des Gehirns betroffen waren und wie groß die Schäden durch die mangelnde Blutversorgung sind, kann der Vierbeiner zum Beispiel Lähmungserscheinungen, Einschränkungen der Sehfähigkeit oder eine allgemein reduzierte Belastbarkeit zeigen. Auch dauernde Inkontinenz oder Verhaltensänderungen durch Gedächtnisverlust sind möglich. Sehr wichtig für eine erfolgreiche Rekonvaleszenz ist es, dem Hund nach der akut-medizinischen Versorgung in seiner gewohnten Umgebung noch viel Ruhe zu gönnen und verordnete Medikamente genau nach Anweisung zu verabreichen. Wurde vom Tierarzt eine auslösende Grunderkrankung festgestellt, so muss diese natürlich auch entsprechend behandelt werden.

Vorbeugung

Da ein Apoplex in der Regel ohne Vorwarnung auftritt, ist es schwierig, vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Allerdings kann es helfen, mögliche Risikofaktoren wie zum Beispiel Übergewicht zu vermeiden. Eine gesunde, hochwertige Ernährung und regelmäßige Bewegung sowie die kognitive Forderung des Hundes beispielsweise durch spannende Spaziergänge in wechselnder Umgebung helfen dabei, den Vierbeiner bis ins hohe Alter gesund und fit zu halten.

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