Dein Hund zittert – Ursachen, Symptome & Tipps zu Therapiemöglichkeiten

Autor: Dr. Romina Pankow | Zuletzt bearbeitet: 23. März 2022 | Lesezeit: 15 min
Zitternder Hund liegt mit Decke auf Wiese

Wenn Hunde zittern, dann kann dies  sowohl harmlose aber auch gesundheitlichen Ursachen haben. Um den Grund herauszufinden, solltest du beobachten, wie oft das Symptom auftritt und ob es in einem Zusammenhang mit bestimmten Situationen entsteht.

Dein Hund zittert schon seit längerem und es wird nicht besser? Wir erklären dir, in welchen Situationen dieses Verhalten normal sein kann und wann du einen Tierarzt kontaktieren solltest.

Was bedeutet es, wenn mein Hund zittert?

Der Begriff Zittern (Tremor) bezeichnet das rhythmisch wiederholte Zusammenziehen verschiedener Muskelgruppen, die einander entgegenwirken. Je nach Ursache kann dies sowohl im Aktivitäts- als auch im Ruhezustand geschehen. Das Ausmaß kann dabei stark variieren.

Ursache für das Zittern beim Hund

Ein Zittern (Tremor) kann physisch (körperlich) oder psychisch bedingt sein. Physisch bedingtes Muskelzittern ist je nach Situation normal oder krankhaft. Mögliche Ursachen sind:

  • freudige Erregung
  • Träumen
  • Unsicherheit, Stress, Nervosität
  • Angst
  • körperliche Anstrengung, Schwäche
  • Kälte
  • Schmerzen
  • Kreislaufschock
  • Fieber
  • Muskelschwäche
  • Erkrankung des Nervensystems
  • Vergiftung

Unbedenkliche Gründe

Ebenso wie Menschen und andere Tierarten zittern auch Hunde bei positiver oder negativer Erregung. Wenn dein Hund dich stürmisch begrüßt, sehnsüchtig auf seine Mahlzeit wartet, voll Vorfreude aufs Gassigehen wartet oder unterwegs einen Hundefreund trifft, kann es durchaus sein, dass er vor freudiger Aufregung zittert.

Schlafende Hunde zucken mitunter lebhaft, wenn sie gerade träumen. Diese unregelmäßigen Muskelkontraktionen haben mit andauerndem, „rhythmischem“ Zucken aber nichts zu tun.

Bedenkliche Gründe

Auch Hunde, die Stress oder Angst haben, reagieren oft mit einem Tremor. In einigen Situationen (zum Beispiel Tierarztbesuch, Autofahrt, Erschrecken) ist dies mitunter normal. Zum Dauerzustand sollte es jedoch nicht werden: Hunde, die sich auch zu Hause unsicher fühlen oder tagtäglich mit beängstigenden Situationen konfrontiert werden, stehen unter Dauerstress!

Schwächebedingter Tremor kann nach sportlichen Aktivitäten, wildem Spiel oder sonstigen körperlichen Anstrengungen normal sein. Ist ein Tier hingegen bereits nach einer geringen Belastungssituation erschöpft oder zeigt ohne erkennbare Ursache Schwäche, leidet es möglicherweise an einer Herz-, Lungen- oder Stoffwechselerkrankung.

Beim Frieren entwickeln Menschen und Tiere einen Zittern (Tremor), um durch die Muskelbewegungen Wärme zu erzeugen. Wenn du den Eindruck hast, dass dein Hund überdurchschnittlich oder zunehmend kälteempfindlich ist, sollten körperliche Ursachen abgeklärt werden.

Krankhafte Ursachen

Schmerzen und ein beginnender Kreislaufschock sind als Ursachen für das Zittern  keine Seltenheit; sowohl nach einem Trauma als auch infolge chronischer Beschwerden (Arthrose, Bandscheibenvorfall, Rückenschmerzen, ED oder HD) oder einer akuten Erkrankung (zum Beispiel Magendrehung, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Fremdkörper). 

Ebenso kann Fieber zu Schüttelfrost führen, da die Umgebungstemperatur im Vergleich zur Körpertemperatur als zu niedrig empfunden wird.

Im Falle einer Muskelschwäche neigt der betroffene Muskel zu einer raschen Ermüdung und folglich zum Tremor. Eine Rückbildung (Atrophie) der Muskulatur erfolgt, wenn das Tier sie langfristig entlastet. Dies kann zum Beispiel infolge einer schmerzhaften Verletzung oder einer Arthrose der Fall sein.

Neurologische Erkrankungen können zu permanentem Zittern am ganzen Körper führen, da die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen gestört ist. Möglich sind beispielsweise eine Epilepsie oder eine Infektion mit dem Staupevirus. Bei weißen Hunden ist eine Erbkrankheit namens White-Dog-Shaker-Phänomen bekannt. Letztendlich kann eine Vergiftung zu neurologischen Ausfallerscheinungen führen.

Hund zittert: Symptome & Diagnose

Da der Tremor auf viele Ursachen hindeuten kann, sind eine gute Beobachtung und sorgfältige Diagnostik erforderlich.

Ist der Tremor deines Hundes krankhaft?

Damit dein Tierarzt eine zielführende Diagnostik einleiten kann, ist ein sorgfältiger Vorbericht von großer Bedeutung. Dafür stellt der Tierarzt dir womöglich die folgenden Fragen:

  • Wann ist der Tremor zum ersten Mal aufgefallen?
  • Wie oft hast du ihn seitdem beobachtet?
  • Zittert dein vierbeiniger Freund am ganzen Körper oder beschränkt sich der Tremor auf bestimmte Körperregionen?
  • Gibt es eindeutige Auslöser (zum Beispiel Kälte, Situation, Körperhaltung, Stimmungslage)?
  • Hast du sonstige potentielle Krankheitssymptome beobachtet (zum Beispiel Appetitmangel, Gewichtsverlust, verminderte Aktivität, Gleichgewichtsprobleme, nachlassende Fellqualität)?

Derartige Beobachtungen können äußerst wertvolle Hinweise auf die Grunderkrankung liefern. Beispielsweise kann Gewichtsverlust, der oft auf ein körperliches Problem hindeutet, sich in Form einer erhöhten Kälteempfindlichkeit äußern. Gleichgewichtsprobleme oder anderweitige neurologische Symptome deuten auf ein Problem im Zentralnervensystem hin. Wenn du dir unsicher bist, wende dich vertrauensvoll an das Dr. SAM Tierärzteteam.

Welche Untersuchungen sind notwendig?

Zunächst wird dein Tierarzt einen detaillierten Vorbericht erheben und eine allgemeine Untersuchung durchführen, um erste Informationen auf die mögliche Ursache der Symptome zu erhalten. Je nach Untersuchungsergebnis folgt eine weiterführende Diagnostik, zum Beispiel:

  • neurologische und orthopädische Untersuchung
  • Röntgen
  • Blutuntersuchung
  • Ultraschall
  • Computertomographie (CT)
  • Kernspintomographie (MRT)

Im Zuge einer neurologischen bzw. orthopädischen Untersuchung testet der Tierarzt vor allem die Reflexe deines Hundes und seine Reaktionen auf verschiedene Reize sowie die Schmerzhaftigkeit im Skelett. Auf diese Weise kann er eine neurologische Ursache nicht nur feststellen, sondern auch auf ein bestimmtes Areal im Zentralnervensystem eingrenzen.

Mit Hilfe einer Blutuntersuchung kann der Tierarzt näher beurteilen, ob die Organfunktionen deines Hundes beeinträchtigt sind, eine Infektionskrankheit, ein Entzündungsgeschehen, eine Vergiftung oder eine Schädigung der Muskulatur vorliegt sowie ob der Verdacht auf einen Tumor besteht.

Der Ultraschall dient der räumlichen Beurteilung des Weichteilgewebes, vor allem des Herzens und der Bauchorgane.

Mit Hilfe von Röntgenbildern kann der Tierarzt das Skelett detailliert begutachten. Verletzungen, degenerative Veränderungen und sonstige Auffälligkeiten werden sichtbar.

CT und MRT ermöglichen eine dreidimensionale Darstellung des gesamten Körpers. Sie kommen besonders häufig zum Einsatz, um die Wirbelsäule, das Gehirn oder bestimmte Abschnitte des Bewegungsapparates darzustellen.

Therapie für ständiges Hundezittern

Welche Therapie sich für deinen kleinen Hund eignet, dieser ständig zittert, ist abhängig von der Ursache. Als Medikamente kommen zum Beispiel infrage:

  • Schmerzmittel
  • Cortison
  • Immunsuppressiva
  • Herzmedikamente
  • Antiepileptika

Je nach Ursache können auch ein chirurgischer Eingriff, Physio- oder Verhaltenstherapie angezeigt sein. Vor allem, wenn Hunde permanent unter Stress stehen oder sehr ängstlich sind, sollte ein Fachtierarzt für Verhaltenstherapie zu Rate gezogen werden. Hunde, die frieren, sollten (unabhängig von der Ursache) einen passenden Hundemantel bekommen.

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