Allergie beim Hund - Wie du damit umgehst und was du dagegen tun kannst.

Dein Hund kratzt sich und die erste Gedanken sind Milben oder Flöhe. Oft steckt leider viel mehr dahinter. Allergien bei Hunden können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden und die Symptome können sehr stark variieren

Artikel von
Dr. Christian Dimitriadis
Tierarzt/Tierärztin bei Dr. SAM
Inhaltsverzeichnis

Definition

Eine Allergie ist eine extensive Reaktion des Immunsystems auf bestimmte, normalerweise harmlose Stoffe (Allergene). Nach Aufnahme solcher Stoffe durch den Körper (Haut, Magen-Darm-Trakt oder durch die Nase) kommt es zu einer massiven Immunreaktion des Körpers. Wenn bestimmte  Krankheitssymptome dazu kommen, spricht man von einer Allergie. Ein allergischer Schock (Anaphylaxie) wiederum, stellt eine allergische Extremreaktion dar, die lebensbedrohlich sein kann. Allergien unterteilt man in fünf Typen (Typ-I bis Typ-VI) je nachdem, wie der Körper genauer reagiert. Da diese Unterteilung allerdings kompliziert ist, werden wir uns nur den speziellen Allergieformen widmen.

Ursache

Je nach Ursache der Allergie, können die Symptome stark variieren. Ungefähr 15 % der Hunde leiden unter einer Allergie. Die häufigsten Ursachen beim Hund:

  • Futtermittelallergie bzw. Futtermittelunverträglichkeit: Die Futtermittelallergie ist die häufigste Allergieform beim Hund. Bestimmte Hunderassen (Franz. Bulldogge, Mops, Englische Bulldogge, Schäferhund, Labrador, Shar Pei, Boxer) neigen vermehrt dazu Futtermittelallergien zu entwickeln. Ursache sind Zutaten im Futter, wie bestimmte Fleischsorten (Proteinquellen) oder Kohlenhydratquellen (wie z.B bestimmte Getreidearten). Zu den wichtigsten Allergenen unter den Proteinen, zählen Eier sowie Milchprodukte. Auch Konservierungsmittel und andere Stoffe, die zur Herstellung des Futtermittels benötigt werden, können zu Futtermittelunverträglichkeiten führen. Wichtig ist hierzu, dass bestimmte Fleischsorten eine Kreuzreaktion zeigen wie z.B. Rind- und Lammfleisch. Die Eiweiße dieser zwei Tierarten sind sehr ähnlich aufgebaut, sodass der Körper diese nicht unterscheiden kann.
  • Kontakt- oder Umweltallergien (atopische Dermatitis): Zu den Umweltallergien gehören Pollen-, Gras- oder Schimmelallergien. Meistens sind solche Allergien saisonal (im Frühjahr oder Sommer) zu beobachten. Bei einer Kontaktallergie muss zuvor ein direkter Kontakt mit dem Material stattgefunden haben. Dies betrifft meistens Halsbänder, Futternäpfe, Reinigungs- sowie Waschmittel. Auch bestimmte Tiere wie der Eichen-Prozessionsspinner können eine massive allergische Reaktion auslösen. Bei bestimmten Pflanzen oder Kräuter, weisen Hunde unmittelbar nach dem Kontakt, Symptome auf. Meistens ist die Ursache für die allergische Reaktion, sehr schwer herauszufinden. Bestimmte Medikamenten (z.B. Spot-On-Präparate) können ebenfalls eine Kontaktallergie auslösen.
  • Insektenstiche: Insektenstiche können wie bei uns Menschen massive allergische Reaktionen auslösen. Nach einem Wespenstich kommt es üblicherweise zu Schmerzen, Schwellung und Rötung. Allerdings kann es in extremen Fällen zu einem lebensbedrohlichen allergischen Schock kommen (anaphylaktischer Schock).
Bei kurzschnäuzigen Hunderassen (Mops, französische sowie englische Bulldogge, Boxer, Boston Terrier, King Charles, Pekinese und Malteser) kann ein Insektenstich sogar tödlich enden.
  • Parasitenallergie: Diese beinhaltet eine allergische Reaktion auf Flöhe (bzw. auf Flohspeichel), Zecken, Milben (z.B. die Hausstaubmilbe) und Würmer. Durch den Flohbiss wird der Flohspeichel in der Haut verteilt, was eine ausgeprägte Hautreaktion auslöst. Milben können entweder in der Umwelt leben oder in der Haut deines Hundes. Dadurch, reagiert die Haut deines Hundes allergisch auf bestimmten Milbenarten.

Symptome

Die 8  typischsten Symptome bei Allergien:

  1. Juckreiz
  2. Lecken an den Pfoten und Flanke
  3. Entzündungen der Haut
  4. Nesselsucht (Urtikaria)
  5. Schwellungen im Gesicht
  6. Ohrenentzündungen
  7. Erbrechen und Durchfall
  8. Zittern
Typische Rötung und Schwellung der Haut nach einer allergischen Reaktion bei einer franz. Bulldogge

Im Gegensatz zum Menschen haben Hunde selten eine laufende Nase (Rhinitis allergica) oder extensives Niesen.

Wann genauer eine Allergie ausbricht, ist nicht genau vorherzusagen. Meistens muss der Hund schon einige Male mit dem Allergen in Kontakt gekommen sein.

Hunde, die von einer Futtermittelallergie betroffen sind, zeigen meistens Magen-Darm-Symptome (Durchfall, Erbrechen, Blähungen), extremen Juckreiz, Ohrenentzündungen oder auch die Bildung von Hotspots. Hotspots sind kreisrunde, nässende und schmerzhafte Stellen im Fell, die sofort behandelt werden müssen.

Diagnose und Therapie

Die Diagnose einer Allergie gestaltet sich nicht immer einfach. Oft ist der Grund für die allergische Reaktion nicht offensichtlich, sodass diverse Tests keine zuverlässige Aussage geben können. So können auch gesunde Hunde positive Testergebnisse haben, ohne dass eine Allergie vorliegt. Genau umgekehrt, können allergische Hunde negative Testergebnisse zeigen. Ein Allergietest sollte dementsprechend erst durchgeführt werden, wenn alle andere Erkrankungen ausgeschlossen sind. Erst wenn Milben, Flöhe, Bakterien, Pilze oder hormonelle Störungen ausgeschlossen wurden, sollte ein Allergietest durchgeführt werden. Dazu ist meistens ein Hautgeschabsel und ein großes Blutbild notwendig.

Folgende Allergietests gibt es beim Hund:

  • Intrakutantest: Viele Menschen kennen diese Untersuchung von sich selber. Beim Intrakutantest (Intradermaltest oder “Quaddeln”) werden verschieden Allergene in die Haut gespritzt und anhand der Reaktion beurteilt. Wenn an der Injektionsstelle eine Schwellung und eine Rötung entsteht, dann ist der Hund auf diese Substanz allergisch. Der Test dauert ca. 1 Stunde und die Aussagekraft ist hoch. Die Nachteile der Untersuchung sind, dass diese Art der Untersuchung in Sedation durchgeführt werden muss und die Stelle komplett geschoren werden muss. Außerdem besitzt nicht jede Tierarztpraxis diesen Test, da die Ausführung sowie die Lagerung aufwendig ist.
Lokale Reaktion nach der Durchführung eines Intrakutantests
  • Antikörper-Test (serologischer Test): Bei diesem Test wird dem Hund Blut abgenommen. Im Labor wird dann untersucht, ob bestimmte Antikörper gegen Futtermittel, Hausstaubmilben, Pollen oder Schimmelpilze vorhanden sind. Wenn Antikörper vorhanden sind, heißt das, dass der Hund gegen diese Stoffe allergisch reagiert. Leider bringt dieser Test einige Nachteile mit sich. Zum einen, ist dieser Test bei Futtermittelallergien nicht unbedingt geeignet und die Aussagekraft ist nicht sehr hoch. Zum anderen kann der Hund positiv gegen bestimmte Allergene sein, auch wenn er nicht allergisch ist. Dieser Test kann zusätzlich stark von bestimmten Medikamenten (Cortison) beeinflusst werden. Wir raten generell von diesem Test ab, da man Futtermittelallergiker meistens mit einer Ausschlussdiät gut in den Griff bekommt.

Je nachdem, um welche Allergie es sich handelt, sind jeweils auch andere Untersuchungen und Behandlungen sinnvoll. Nicht immer findet man, um welche Allergie es sich handelt.

  • Medikamentöse Behandlung: Bei Hunden, die zuvor nie Probleme mit einer Allergie hatten und bei denen es zum ersten Mal auftritt, werden oft erst nur die Symptome behandelt. Das bedeutet, dass der Juckreiz, die Haut- oder Ohrenentzündung sowie der Durchfall erst medikamentös versorgt wird. Wenn die Symptome nur einmalig aufgetreten sind, dann handelt es sich vermutlich um eine einmalige Reaktion. Medikamente, die den chronischen Juckreiz unterdrücken, sollten auf Dauer nur in Ausnahmefälle gegeben werden. Wenn die Ursache gefunden wurde und diese auch beseitigt ist, dann hören die Symptome meistens in einigen Wochen auf.
  • Ausschlussdiät: Hat man den Verdacht einer Futtermittelallergie bzw. Futtermittelunverträglichkeit, gibt es die Möglichkeit einer sog. Ausschlussdiät. Das bedeutet, dass über eine Zeit von 8 bis 10 Wochen ein Futtermittel mit je einer Protein- und Kohlenhydratquelle gefüttert wird. In diesem Zeitraum darf der Hund nichts anderes zu fressen bekommen! Sogar ein kleiner Leckerli kann erneut zu allergischen Reaktionen führen! Wenn die Symptome nach dieser Testphase komplett verschwunden sind, dann ist es ein indirekter Beweis, dass es sich um eine Reaktion auf das Futtermittel handelt. Sollte man in dieser Testphase merken, dass die Symptome immer noch vorhanden sind, dann sollte man das Futtermittel erneut wechseln. Zusätzlich bietet sich immer die Möglichkeit eines hypoallergenen Futters. Das bedeutet, dass der darin enthaltene Eiweiß so verändert wurde (die sog. hydrolysierte Proteine), dass das Immunsystem des Hundes es nicht mehr als Fremd erkennt und somit keine allergische Reaktion stattfindet.
  • Desensibilisierung bzw. Hyposensibilisierung: Die Desensibilisierung oder spezifische Immuntherapie ist ein Therapieverfahren zur Behandlung von Allergien. Dabei gewöhnt man den Hund schrittweise an die allergieauslösende Substanz. Der Körper des Hundes wird am Anfang mit einer sehr kleinen Dosis des Allergens konfrontiert. Schrittweise erhöht man diese Dosis bis ein Gewöhnungseffekt eingetreten ist. Um diese Therapieform anzuwenden, muss genau bekannt sein, auf was der Hund allergisch reagiert. Der Erfolg dieser Therapie ist sehr unterschiedlich und variiert von Hund zu Hund. Es bedeutet nicht automatisch, dass nach Ende der Therapie der Hund komplett allergiefrei ist, sondern oft kann die Lebensqualität deines Vierbeiners erhöht werden.
Bei Verdacht auf Allergie bei dem eigenen Haustier ist es immer sinnvoll, einen Tierarzt zu konsultieren. Unsere Tierärzte bei Dr. SAM beraten dich gerne dazu!

Vorbeugung

Eine Allergie vorzubeugen ist erst möglich, wenn die Ursache erkannt wurde. Man kann im Voraus nie wissen, auf was der Hund allergisch reagiert, um einen Kontakt zu vermeiden. Allerdings schützt eine gute Parasitenprophylaxe vor allergischen Reaktionen, die mit Parasiten zu tun haben (Flohspeichelallergie, Reaktion auf Milben). Um das Auftreten einer Futtermittelallergie zu vermeiden, sollte möglichst auf unnötige Futtersortenwechsel (auch nicht die Geschmacksrichtung innerhalb des gleichen Herstellers) verzichtet werden!

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Liebe Grüße,
Dr. Christian Dimitriadis
- Tierarzt bei Dr. SAM

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Dr. Christian Dimitriadis
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