Die Katze hat Blut im Urin: Was ist zu tun?

Autor: Dr. Sam | Zuletzt bearbeitet: 22. März 2022 | Lesezeit: 16 min
Blut im Urin bei Katzen

Blutiger Urin, in der Fachsprache Hämaturie, wird in den allermeisten Fällen durch eine Blasenerkrankung verursacht. Das kann eine Blasenentzündung (Zystitis) sein, aber auch ein Blasenstein oder eine Ansammlung von Kristallen in der Blase können zu Blut im Harn führen. Ebenso können andere Abschnitte des Harntrakts oder auch der Geschlechtstrakt betroffen sein.

Blutiger Urin ist für den Katzenbesitzer erst einmal ein Schock. Und das nicht zu Unrecht: Die Ursachen können sehr gefährlich oder zumindest äußerst schmerzhaft für die Katze sein. Je nachdem, wie viel Blut im Harn zu finden ist und inwieweit das Allgemeinbefinden deiner Samtpfote beeinträchtigt ist, ist eventuell ein Notdienstbesuch erforderlich.

Ursache

Sichtbares Blut im Harn entsteht durch die Ausscheidung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Diese können entweder aus den Harnwegen (Nieren, Harnleiter, Harnblase, Harnröhre) stammen oder aus dem Geschlechtstrakt in die Harnröhre gelangen. Leichte Blutungen verursachen noch keine farbliche Veränderung des Urins, sind also mit bloßem Auge nicht sichtbar. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass deine Katze zum Beispiel auch dann an einer Blasenerkrankung leiden kann, wenn der Harn für dich ganz gewöhnlich aussieht. Neben Blasenentzündungen kommen Harnsteine und Urolithiasis (Kristalle im Harn) besonders häufig vor.

Auch die Ausscheidung von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff, sowie von Myoglobin, einem Muskelprotein, kann zur Rotfärbung des Urins führen. Hämoglobin wird freigesetzt, wenn es zu einer Zerstörung roter Blutkörperchen kommt, beispielsweise durch eine Vergiftung. Myoglobin wird freigesetzt, wenn Muskelzellen geschädigt werden, zum Beispiel infolge eines Unfalls. Letztlich können weiße Blutkörperchen (Leukozyten) im Harn zu finden sein. Dies ist immer dann der Fall, wenn ein entzündlicher Prozess vorliegt. Auch hierfür kommen als „Ort des Geschehens“ der Harn- und der Geschlechtstrakt infrage. Häufig sind Entzündungen bakteriell bedingt; sie können aber auch steril sein.

Hinweis: Sterile Entzündungen sind unter anderem bei mechanischen Reizungen durch Harnkristalle oder -steine zu beobachten.

Symptome und Diagnose

Eine Rot- oder Braunfärbung des Urins ist die typische Folge von Blutbeimengungen im Harn. Sie tritt jedoch erst ab einem gewissen Schweregrad auf. Anderenfalls behält der Harn seine physiologische, gelbe bis orangegelbe Farbe bei.

Begleitsymptome

Je nach Ursache zeigt deine Katze möglicherweise weitere Symptome:

  • Bei Blasenerkrankungen: Unsauberkeit, häufiger Absatz kleiner Urinmengen, Schmerzlaute beim Urinabsatz, gekrümmte Körperhaltung
  • Bei Nierenerkrankungen: Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, ammoniakartiger Maulgeruch, vermehrter Absatz großer Harnmengen, vermehrtes Trinken
  • Bei Hämoglobinurie: Abgeschlagenheit, Krampfanfälle, Blutungen aus mehreren Körperöffnungen
  • Bei Myoglobinurie: Lahmheit, Apathie, allgemeine Schmerzsymptomatik

In jedem Fall ist ein Tierarztbesuch unerlässlich: Je schwerer die Symptomatik, desto dringender solltest du einen Spezialisten aufsuchen! Bist du unsicher, ob du es mit einem Notfall zu tun hast? Dann wende dich bitte jederzeit an dein Tierärzteteam bei Dr. SAM.

Diagnose

Um sich einen umfangreichen Eindruck von deiner Katze zu verschaffen und eine zielgerichtete Diagnostik einzuleiten, wird der Tierarzt zunächst eine Allgemeinuntersuchung durchführen. Im Anschluss kommen spezielle Untersuchungsmethoden zum Einsatz:

  • Urinuntersuchung
  • Ultraschall
  • Röntgendiagnostik
  • Blutuntersuchung

Eine Urinuntersuchung beinhaltet die Anfertigung eines Urinsticks, die Messung des urinspezifischen Gewichts und die mikroskopische Untersuchung des Harns. Dadurch erhält der Tierarzt bereits eine Reihe wertvoller Hinweise: Wird die Verfärbung des Urins wirklich durch Blutzellen verursacht oder ist sie durch Hämo- oder Myoglobin bedingt? Sind Entzündungszellen oder Kristalle im Sediment zu finden? Wie hoch ist der Harn konzentriert? Wie ist der pH-Wert? Scheidet die Katze Bilirubin mit dem Harn aus? Urin, der mit einem Harnkatheter oder einer Spritze gewonnen wird, kann weiterhin auf Bakterien untersucht werden. Aufgefangener oder ausgedrückter Harn hingegen ist nicht steril und enthält daher immer Bakterien.

Ein Ultraschall hilft bei der Beurteilung der verschiedenen Gewebe und organischen Strukturen. Eine verdickte Blasenwand ist beispielsweise die typische Folge entzündlicher Prozesse. In ihrer Form, Größe oder Struktur veränderte Nieren und Geschlechtsorgane lassen sich im Ultraschall ebenfalls hervorragend darstellen. Röntgenaufnahmen eignen sich besonders gut, um sich schnell und einfach einen Überblick über die inneren Organe sowie das Skelettsystem zu verschaffen. Zum Nachweis oder Ausschluss solider Harnsteine und knöcherner Verletzungen, ist die Röntgendiagnostik ebenfalls Mittel der Wahl. Eine Blutuntersuchung ist vor allem dann angezeigt, wenn das Allgemeinbefinden deiner Katze stark beeinträchtigt ist oder noch keine eindeutige Ursache für die Hämaturie gefunden werden konnte. Unter anderem werden mögliche Veränderungen des roten und weißen Blutbildes, eine Erhöhung der Nieren- und der Leberwerte im Blutprofil sichtbar.

Quelle:  Pixel-Shot

Therapie

Die Therapie richtet sich danach, wodurch der blutige Harn deiner Katze zustande kommt. Mögliche Behandlungsmethoden sind beispielsweise:

  • Antibiose bei einer bakteriellen Entzündung der Harnwege
  • Infusionstherapie, Ernährungsanpassung und Futterzusätze bei Nierenerkrankungen
  • Ernährungsanpassung bei Urolithiasis
  • chirurgischer Eingriff bei Harnsteinen, Tumorerkrankungen oder inneren Verletzungen
  • Schmerzmittel als Begleittherapie

Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen ist es sinnvoll, dem Patienten sterilen Harn zu entnehmen und eine bakteriologische Untersuchung einzuleiten. Auf die Weise stellt der Tierarzt fest, welche Bakterien beteiligt sind und auf welche Antibiotika sie empfindlich reagieren.

Vorbeugung

Eine sichere Vorbeugemaßnahme für Blut im Harn gibt es nicht. Das Risiko, dass bestimmte Erkrankungen auftreten, lässt sich durch einen gesunden Lebensstil jedoch senken. So kann die richtige Ernährung mit einem hochwertigen Futtermittel maßgeblich dazu beitragen, dass deine Katze von Blasenentzündungen und Urolithiasis verschont bleibt.

Tipp: Insbesondere eine hohe Flüssigkeitszufuhr mit der Nahrung hilft, die Harnwege gesund zu erhalten.

Zusammenfassung

Blutiger Urin beim der Katze kann die Folge verschiedener Erkrankungen sein. In den meisten Fällen sind die Harnwege betroffen, insbesondere die Harnblase; die Ursache kann jedoch ebenfalls im Geschlechtstrakt lokalisiert sein. Rot gefärbter Harn kann ferner auch Anzeichen einer Ausscheidung von Hämoglobin oder Myoglobin sein. Eine solche kommt durch die Zerstörung von roten Blutkörperchen beziehungsweise Muskelzellen zustande. In jedem Fall muss die Ursache zügig gefunden und behandelt werden, da deine Katze anderenfalls starke Schmerzen oder Langzeitschäden erleiden kann.

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