Niereninsuffizienz bei der Katze – Wie du damit umgehst.

Autor: Dr. Sam | Zuletzt bearbeitet: 22. März 2022 | Lesezeit: 15 min
Katze mit Niereninsuffizienz bekommt eine Infusion

Die Niere übernimmt vielseitige Funktionen im Organismus der Katze. Arbeitet sie nicht korrekt, hat das weitreichende Folgen. Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, eine Niereninsuffizienz rechtzeitig zu erkennen. Erfahre hier, wie du erkennst, ob die Niere deiner Katze möglicherweise erkrankt ist. Außerdem lernst du in diesem Beitrag verschiedene Diagnosemethoden und Tipps zur Vorbeugung der Niereninsuffizienz kennen.

Definition

Der Niere kommen wichtige Aufgaben zu. Sie ist damit ein lebensnotwendiges Organ. Neben der Produktion von Hormonen, die unter anderem den Blutdruck regulieren, ist sie auch für den Flüssigkeitshaushalt bedeutsam. Darüber hinaus ist die Niere ein wichtiges Entgiftungsorgan: Sie filtert schädliche oder nicht mehr benötigte Stoffe aus dem Blut heraus und hält wertvolle Substanzen wie Mineralien und Vitamine im Organismus.

Die Niereninsuffizienz bei Katzen (CNI oder chronisches Nierenversagen) ist eine Funktionsstörung der Niere.  Von einem Nierenversagen oder einer Niereninsuffizienz sprechen wir, wenn es zu einem Funktionsverlust der Niere kommt. Sie kann ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen, da Nierengewebe zerstört wurde oder vorübergehend funktionslos ist. Da den beiden Nieren lebenswichtige Aufgaben zukommen, kann sich die Erkrankung bei weiterem Fortschreiten lebensbedrohlich entwickeln. So lässt sich die Niereninsuffizienz auch in eine akute und eine chronische Form einteilen:

  • Die akute Niereninsuffizienz entsteht sehr plötzlich (innerhalb von Stunden) und kann wieder verschwinden.
  • Die chronische Niereninsuffizienz hingegen besteht zum Diagnosezeitpunkt bereits seit einer längeren Zeit – meistens seit zwei Wochen oder länger. Ihr Voranschreiten lässt sich verlangsamen, aber zerstörtes Nierengewebe lässt sich nicht wiederherstellen. Einteilen lässt sich die chronische Niereninsuffizienz in nach dem Iris-Staging(IRIS = International Renal Interest Society) in vier Erkrankungsstadien, wobei es im ersten Stadium noch zu keinen Symptomen kommt.

Ursache

Insbesondere die chronische Niereninsuffizienz (CNI) ist eine vorwiegend altersbedingte Erkrankung bei Katzen. Sie kommt Schätzungen zufolge bei etwa 30 Prozent aller Katzen vor, die über 15 Jahre alt sind. Bei dieser chronischen Form der Niereninsuffizienz wird das Nierengewebe mit seinen funktionellen Einheiten, den Nierenkörperchen(Nephronen), nach und nach beschädigt und kann seine Funktion nicht mehr vollständig erfüllen. Die Top Ursachen für eine Niereninsuffizienz:

  • Alterbedingt bei Katzen über 15 Jahre.
  • Schädliche Stoffe: Schwermetalle, bestimmte Pflanzen (wie z.B. Lilien), verschiedene Wirkstoffe aus Medikamenten, Frostschutzmittel oder auch Pflanzenschutzmittel können daher ebenfalls Auslöser einer Niereninsuffizienz bei Katzen sein.
  • Durchblutung der Niere: weitere Ursache der Niereninsuffizienz sind Faktoren, welche die Durchblutung der Niere beeinträchtigen. Dabei kann es sich um Infektionskrankheiten handeln, aber auch um einen Blutverlust oder einen Schock (eine schwere Kreislaufstörung), wie sie etwa nach einem Unfall auftreten. Wird die Niere nicht ausreichend mit Blut versorgt, ist sie nicht in der Lage, ihren Aufgaben nachzukommen. Es kommt hier zu einer akuten Niereninsuffizienz.

Symptome und Diagnose

An den folgenden Symptomen erkennst Du, dass Deine Katze möglicherweise unter einer Niereninsuffizienz leidet:

  1. Gesteigerter Durst und vermehrter Urinabsatz.
  2. Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust.
  3. Veränderungen des Fells: stumpfes, struppiges, trockenes oder schuppiges Fell, mangelhafte Fellpflege.
  4. MagenDarmBeschwerden wie Durchfall und Erbrechen
  5. Austrocknung (Dehydratation): Zur Austrocknung kommt es, da der Elektrolyt- und Wasserhaushalt bei einer Niereninsuffizienz nicht mehr erfolgreich über die Nieren kontrolliert wird.

Ob Deine Katze ausgetrocknet ist, kannst Du einfach testen:

Aber wie kann man eine Niereninsuffizienz diagnostizieren? Zunächst wird dieser in einem Gespräch die Vorgeschichte und die vorliegenden Beschwerden erfassen. Nach einer Allgemeinuntersuchung steht ein Blutbild Deiner Katze an. Aussagekräftig für eine Niereninsuffizienz sind die Werte für Kreatinin und Harnstoff, da es sich hierbei um Abbauprodukte aus dem Stoffwechsel handelt. Liegt eine Nierenstörung vor, verlassen diese Substanzen den Körper nicht wie gewohnt über den Urin, sondern bleiben im Blut. Allerdings steigen diese zwei Werte erst, wenn 75 Prozent der Niere nicht mehr funktionsfähig ist. Zur Früherkennung einer Niereninsuffizienz eignet sich der sog. SDMA-Wert. Der SDMA-Wert ist zuverlässiger als Kreatinin und steigt viel früher. Auch das Phosphat sowie Calcium sollten dringend im Blut bestimmt werden.

Einige nierentypische Werte lassen sich auch in einer Urinprobe ermitteln. Hier wären der Blut-, Zucker- (Glukose) und Proteinwert zu nennen. Möglicherweise wird zusätzlich eine Blutdruckmessung durchgeführt, da Katzen mit Niereninsuffizienz zu Bluthochdruck neigen.

Die chronische Niereninsuffizienz lässt sich anhand des Iris-Staging (IRIS = International Renal Interest Society) in vier Erkrankungsstadien einteilen

  1. Im ersten Stadium kommt es meist zu keinen Symptomen. Der Kreatinin- und Harnstoffwert ist im Normbereich der SDMA-Wert könnte allerdings erhöht sein. 
  2. Stadium 2 zeichnet sich durch milde und 
  3. Stadium durch deutliche Symptome aus. 
  4. Im Stadium zeigen Katzen starke Symptome und einen Kreatininwert von über 440 µmol/l im Blut. 

Therapie

Das Ziel bei einer chronischen Niereninsuffizienz bei der Katze ist es, das Fortschreiten zu verlangsamen. Zudem soll die Lebensqualität aufrechterhalten bzw. gesteigert werden.

Die Basis dafür bildet eine ausgewogene, tierärztlich überwachte NierenDiät. Dafür stehen bestimmte Nieren-Diätfutter zur Verfügung. Sie beinhalten alle wichtigen Nährstoffe, die Katzen mit einer Niereninsuffizienz benötigen. Dabei handelt es sich um proteinreduziertes Futter mit einem korrigierten Phosphat-Kalzium-Verhältnis und einem Zusatz an wasserlöslichen Vitaminen, welche die erkrankten Nieren nicht erfolgreich im Körper zurückhalten können. Zugleich soll dieses Spezialfutter für Katzen mit Niereninsuffizienz dafür sorgen, dass sich keine schädlichen Stoffe im Organismus ansammeln.

Ergänzt werden kann diese Therapie mit speziellen Nahrungsergänzungsmitteln, die für Katzen mit Niereninsuffizienz entwickelt wurden. Diese können etwa appetitanregend wirken, dem Körper zusätzliche Vitalstoffe zuführen oder das Phosphat aus dem Futter binden, damit dieses nicht in zu großen Mengen anfällt (sogenannte Phosphatbinder). 

Zudem sind bei vorliegender Niereninsuffizienz prinzipiell alle Maßnahmen hilfreich, die für eine erhöhte Wasseraufnahme der Katze sorgen. Das kann etwa die Umstellung auf Nassfutter mit einem höheren Feuchtigkeitsgehalt sein, das Aufstellen von Trinkbrunnen oder mehreren Wassernäpfen an verschiedenen Stellen im Haus. Auf herkömmliche Leckerlis, die nicht für Katzen mit Niereninsuffizienz geeignet sind, solltest Du hingegen verzichten. Auch eine Infusion ist bei stark ausgetrockneten Tieren oft lebensnotwendig. Insbesondere, weil der Wasserhaushalt ausgeglichen wird und die Niere entlastet wird.

Quelle: pablobueno/Shutterstock.com

Da die Niereninsuffizienz auch mit Erkrankungen wie Bluthochdruck und damit einhergehenden Herzerkrankungen oder einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) verbunden sein kann, kann gegebenenfalls ebenfalls eine Behandlung dieser Begleiterkrankungen nötig sein. Das beinhaltet in der Regel die Gabe von Medikamenten wie Blutdrucksenkern oder Schilddrüsenmedikamenten.

Die akute Niereninsuffizienz hat einen raschen, plötzlichen Verlauf. Hier ist es wichtig, frühzeitig einzugreifen, damit es nicht zu einem lebensbedrohlichen Zustand kommt. Da meist ernsthafte Erkrankungen wie Vergiftungen dahinterstecken, handelt es sich bei betroffenen Tieren meist um Notfälle, die sofort einer tierärztlichen Behandlung bedürfen.

Die chronische Niereninsuffizienz bei der Katze zeigt sich meist in einem stufenartigen Verlauf. Dabei wechseln sich längere symptomfreie Zeiten mit akuten, beschwerdereichen Zeiten ab. Da bereits zerstörtes Nierengewebe nicht mehr geheilt werden kann, ist es wichtig, die Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen. Je früher Tierhalter mit einer angepassten Nierendiät beginnen, umso besser stehen die Chancen, dass die Lebensqualität des Tieres trotz Niereninsuffizienz möglichst lange aufrechterhalten werden kann. Empfehlenswert ist ein jährlicher NierenCheckUp beim Tierarzt, der spätestens bei Katzen über 7 Jahren erfolgen sollte. Dieser beinhaltet eine umfassende Blutuntersuchung der nierentypischen Werte.

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