Deine Katze hat Verstopfung?

Das solltest du beachten

Verstopfung (medizinisch Obstipation) kommt bei Katzen relativ häufig vor und kann im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Folgen haben. Aber woran erkennst du, dass deine Katze eine Verstopfung hat und wie lässt Sie sich vermeiden?

Artikel von
Christian Dimitriadis
Tierarzt bei Dr. SAM
Inhaltsverzeichnis

Während Durchfall ziemlich schnell auffällt, kann eine Verstopfung bei deinem Liebling längere Zeit unentdeckt bleibt. Eine “Obstipation” kommt bei Katzen häufiger vor als bei Hunden und kann lebensbedrohlich sein.

Definition

Wie häufig die Katze Stuhl absetzt ist von Katze zu Katze unterschiedlich. Setzt die Katze seltener Stuhl ab, dann spricht man von einer “Konstipation”. Unter dem medizinischen Begriff “Obstipation” versteht man eine chronische Stuhlverstopfung des Darms. Das ist der Fall, wenn die Katze über einen längeren Zeitraum keinen Kot mehr abgesetzt hat.

Wenn der Kot hingegen gar nicht mehr abtransportiert wird, bezeichnet man dieses als “Koprostase” und ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Das solltest du auf keinen Fall ignorieren!

Ursache

Der Weitertransport des Kotes durch den Magen-Darm-Trakt dauert in der Regel zwischen 12-24 Stunden. Im Regelfall nimmt eine Katze täglich Nahrung auf und sollte dementsprechend jeden Tag Kot absetzen. Wenn deine Katze mal eine kleine Pause einlegt, heißt es aber nicht automatisch, dass ein Problem vorliegt. Die Ursachen für die Entstehung einer Verstopfung können vielfältig sein, allerdings kannst du durch äußere Faktoren ein erneutes Vorkommen verhindern.

Hier die 6 wichtigsten Ursachen für eine Verstopfung:

  1. Einer der wichtigsten Faktoren für die Entstehung von Verstopfung ist eine ballaststoffarme Ernährung bzw. reduzierte Flüssigkeitszufuhr. Obwohl Katzen Fleischfresser sind, spielt die Aufnahme von Rohfaser eine sehr wichtige Rolle, damit eine gesunde Verdauung stattfindet. Insbesondere sorgen quellfähige Rohfasern für eine gesunde Darmflora und verhindern aufgrund ihrer Eigenschaft Wasser zu binden, das Hartwerden des Kotes. Achte immer darauf, dass deine Katze genug Ballaststoffe mit der Nahrung aufnimmt.
  2. Bekanntlich trägt Übergewicht, aufgrund eines Bewegungsmangels, auch zu einer Verstopfung bei. Ein ideales Gewicht und ausreichend Bewegung sorgen auch für eine gesunde Verdauung. Vermeide es auf jeden Fall, deine Katze zu überfüttern.
  3. Große Vorsicht ist bei einer Aufnahme von Fremdkörpern, die von der Katze verschluckt wurden, geboten. Denn auch diese können eine Blockade im Darmkanal und somit eine Verstopfung verursachen. Hier ist schnelles Handeln notwendig!
  4. Bei älteren Katzen hingegen spielen insbesondere Gelenk- oder Wirbelsäulenprobleme sowie Tumore eine Rolle bei der Entstehung von Verstopfung. Hast du das Gefühl, dass deine Katze sich mit dem Alter ungerne bewegt? Das könnte ein Anzeichen dafür sein.
  5. Auch Verengungen des Darmkanals aufgrund eines Tumors oder einer Entzündung können die Kotpassage verhindern und den Darmdurchmesser verkleinern. Entzündungen im Darm treten bei Katzen auch auf, die unter einem Wurmbefall leiden. Denke immer daran deine Katze zu entwurmen.
  6. Zusätzlich können Fehlbildungen von Wirbeln bzw. Erkrankungen der Nerven weitere Ursachen bei der Entstehung einer Verstopfung sein. Stürze aus dem Fenster oder Autounfälle können der Auslöser für solche Nervenlähmungen sein.

Symptome & Diagnose

Aber wie erkennst du ob deine Katze Anzeichen einer Verstopfung hat? Katzen, die unter einer Verstopfung leiden, setzen selten und schwer Kot ab.

  • Der Kot ist meist hart und rund- statt zigarrenförmig. Oft siehst du ein erfolgloses Pressen auf dem Katzenklo und die Kotmenge ist deutlich geringer als sonst.
  • Weitere Anzeichen können Lautäußerungen der Katze, Unruhe oder Krämpfe im Bauch sein. Bei Hauskatzen kann man sowas einfacher erkennen als bei Freigängern, da diese eher draußen Kot absetzen.
  • Nicht selten hat die Katze einen schmerzhaften Bauch und reagiert aggressiv beim Anfassen. Durch diese Schmerzen wird oft die Futteraufnahme eingestellt, so dass durch die verminderte Zufuhr von Eiweiß Leberprobleme entstehen können.
  • Eine Verstopfung kann auch eine Reihe weiterer Komplikationen, wie Austrocknung oder Kreislaufschwäche hervorrufen.
Eine Austrocknung lässt sich anhand einer Hautfalte feststellen. Bildest du mit zwei Fingern eine Hautfalte (beispielsweise an der Flanke) und lässt diese dann los, sollte sich diese nach max. 2 Sekunden glätten. Wenn die Hautfalte hingegen stehen bleibt, spricht das eher für eine Austrocknung. Durch diese Methode kann du auch überprüfen ob deine Katze ausgetrocknet ist. Probiere es doch aus!

Um die Verstopfung erfolgreich zu behandeln muss erstmal die darunterliegende Ursache festgestellt werden. Du wunderst dich wahrscheinlich, weswegen dein Tierarzt vor Ort einige Untersuchungen durchgeführt hat, oder möchtest vielleicht wissen wie er auf Ursachenforschung geht.

  • Durch Abtasten des Bauchraumes ist eine Kotanstauung festzustellen. Er tastet meistens den Bauchraum ab um zu schauen wie viel Kot im Enddarm ist.
  • In vielen Fälle ist eine rektale Untersuchung in Narkose sinnvoll, um Probleme im Enddarm festzustellen.
  • Ein Röntgenbild gibt hingegen Auskunft über das Ausmaß des Problems, das Vorhandensein eines Darmverschlusses oder eines sog. Megakolons und die Menge des Kotes, die sich im Darm befindet. Auch Gelenk- oder Wirbelsäulenprobleme lassen sich anhand eines Röntgenbildes als Ursache für eine Verstopfung finden. Das kommt oft in Frage, wenn du ein älteres Tier hast.
  • Eine Blutuntersuchung ist aufschlussreich, um Organprobleme auszuschließen und womöglich Abweichungen im Blutbild aufzudecken.
  • Eine endoskopische Untersuchung kann unter Umständen nötig sein, um Hinweise über die Darmerkrankung zu erhalten und um eine Biopsie durchzuführen. Manchmal lässt sich leider trotz sorgfältiger Diagnostik keine Ursache für die Verstopfung finden.

Therapie

Als erste Maßnahme ist die Zufuhr von normaler Milch eine Möglichkeit Durchfall zu provozieren, damit Flüssigkeit in den Darm gelangt, um bei dem Weitertransport des Kots zu helfen. Leider ist es meistens schwer zu beurteilen was die Ursache einer Verstopfung ist. Hier können dich die Tierärzte von Dr. SAM unterstützen.

Olesya Kuznetsova/Shutterstock.com


Bei der Therapie geht es in erster Stelle darum, den Kotabsatz zu ermöglichen und den Darm zu entleeren. Erste Maßnahmen vom Tierarzt, wie die Gabe eines Klistiers (Einlauf) können oft das Problem beseitigen. Ein Klistier ist das Einleiten einer Flüssigkeit in den Darm um diesen zu reinigen.

Kaufe dir nie irgendwas selber von der Apotheke. Viele der Human-Arzneimittel enthalten Wirkstoffe, die deine Katze in Lebensgefahr bringen können!

Die orale Gabe von Paraffinöl sowie Abführmitteln sorgen dafür den Darmbrei weich zu halten. Das Paraffinöl sorgt in diesem Fall als Gleitmittel um den Weitertransport des Kotes zu erleichtern. Eine Katze sollte ohne tierärztlichen Rat nie Paraffinöl bekommen, da beim verschlucken lebensbedrohliche Lungenentzündungen entstehen können. Dr. SAM kann dich hierbei individuell ausführlich beraten damit du erste Maßnahmen ergreifen kannst.

Befinden sich sehr große Mengen Kot im Darm muss der Darm in Narkose gespült und manuell vom Tierarzt ausgeräumt werden. Dieses passiert durch die Einleitung lauwarmen Wassers in den Enddarm. Diese Prozedur muss oft mehrfach wiederholt werden, um den Darm komplett zu entleeren.

Vorbeugung

Lässt sich die Ursache auf falsche Ernährung zurückführen, kannst du durch die Zufuhr von Rohfasern bzw. Flohsamenschalen (Psyllium) die Verstopfung beseitigen. Rohfasern und Ballaststoffe erhöhen die Darmmotorik durch Dehnung der Darmwand. Somit wird der Futterbrei schneller abtransportiert womit Verstopfungen vermieden werden können.

Vorsicht: Katzen, die unter einem Megacolon leiden, bilden hier die Ausnahme. Da der Darm in diesem Fall schon krankhaft überdehnt ist, würde eine weitere Dehnung den Weitertransport noch mehr verzögern und somit das Problem verstärken.

Weitere Möglichkeiten der Vorbeugung:

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ggf. Umstellung auf ein Nassfutter können oft chronische Probleme beseitigen
  • Auch die Verwendung eines Trinkbrunnes für Katzen, lässt die Wasseraufnahme oft steigern
  • Das Katzenklo spielt hier auch eine wichtige Rolle. Es muss immer dafür gesorgt werden, dass mehrere Katzenklos zur Verfügung stehen!

Ältere Katzen, die unter Arthrosen leiden, vermeiden aufgrund von Schmerzen den Gang aufs Katzenklo. Hier würde der Einsatz von Schmerzmitteln das Hinhocken und Pressen eindeutig erleichtern.

Bitte beachte, dass erst wenn dein individueller Fall tierärztlich abgeklärt wurde vorbeugende Maßnahmen eingeleitet werden sollten, um einer Verstopfung vorzubeugen.

Unsere Tierärzte von Dr. SAM stehen dir zur Seite und beraten dich bei Fragen oder Unsicherheiten zum Thema Katze und Verstopfung.

Liebe Grüße,
Christian Dimitriadis
- Tierarzt bei Dr. SAM

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