Kurz zusammengefasst:

Mein Kaninchen frisst nicht mehr. Ist es sofort ein Notfall und wann muss man handeln? Das Kaninchen besitzt eine besondere Verdauung und hat somit somit besondere Bedürfnisse. Eine konstante Nahrungsaufnahme sollte stattfinden, sonst wir es ganz schnell zum absoluten Notfall

Ein von unerfahrenen Kaninchenbesitzern weit unterschätzter Notfallpatient ist das Kaninchen, das nicht mehr frisst. Bei Hunden und Katzen ist eine eintägige Appetitlosigkeit meistens gut zu kompensieren. Frisst ein Kaninchen allerdings nur einen halben Tag nichts, so kann dies schon an diesem Tag für dieses Kaninchen lebensbedrohlich sein! Aber wieso ist das denn so?

Die Besonderheit der Verdauung beim Kaninchen:

Aufgenommene Nahrung, idealerweise rohfaserreiches Heu, Gräser, Kräuter, wird im Maul mit den Zähnen zermahlen und eingespeichelt. Die Zähne des Kaninchens wachsen ein Leben lang und sind daher auf die Abnutzung durch die Kaubewegung und die Dauer des Kauvorgangs angewiesen. Unpassendes, weiches Futter, mit schwacher Kaubewegung und kurzer Kauphase nutzt die Zähne nicht genügend ab. Im Backenzahnbereich bilden sich dann sogenannte Spitzen/Harken, welche entweder spitz im Oberkiefer in Richtung der Backenschleimhaut oder im Unterkiefer in Richtung der Zunge wachsen. Man kann sich vorstellen, wie schmerzhaft das für ein Kaninchen sein muss. Die Schneidezähne (Incisivi) – die auffälligen „Hasenzähnchen“ der Nager – werden natürlich auch abgenutzt durch adäquates Futter. Passiert dies nicht, wachsen überlange Schneidezähne aus dem Maul heraus und sind nicht mehr funktional.

Die abgeschluckte Nahrung erreicht den Magen. Der Kaninchenmagen ist an Rohfaserverdauung angepasst. Er ist nicht, wie bei Hund und Katze, ein ausgeprägter Muskelsack – Muskeln sind hier nur deutlich am Magenausgang zu finden. Bei Hund und Katze wird die Nahrung per Muskelbewegungen aus dem Magen in den Darm weitergeleitet, dies ist dem Kaninchenmagen nicht möglich. Der Mageninhalt wird bei ihnen durch weitere, von oben kommende, Nahrung in den Darm weitergeschoben. Daher fressen Kaninchen über den Tag auch viele – ca 120- kleine Portionen, um dieses Fliessband am Laufen zu halten und nicht ein oder zwei große Portionen.

Durch die Dünndarmabschnitte geht es weiter in den Dickdarm.

Im Dickdarm trennen sich die Futterbestandteile in größerer/schlecht verdauliche und in kleinere/verdaulichere Bestandteile. Die großen, eher unverdaulichen Bestandteile wandern im Dickdarm weiter und werden eingetrocknet und dann als klassische Hasenköttel, klein, rund und trocken, ausgeschieden. Die kleinere Teilchen, die weiter zersetzt werden können wandern in den Blinddarm. Der im Blinddarm hergestellte Kot wandert auch im Kolon weiter und wird zwar ausgeschieden, aber sofort vom Kaninchen gefressen. Das Kaninchen frisst diesen Kot direkt am After ab, um sich wieder mit Vitaminen und gewissen Proteinen zu versorgen.

Vielleicht habt auch ihr schonmal diesen Blinddarmkot gesehen – er ist feucht, von einer Schleimschicht überzogen und die kleinen Köttel liegen traubenartig aneinander. Häufig wird dieser nachts ausgeschieden. Findet man Blinddarmkot, muss man immer hinterfragen, warum das Kaninchen es nicht aufnehmen konnte. Ein Grund könnte Übergewicht sein oder aber auch Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule.

Warum besteht nun aber Lebensgefahr, wenn mein Kaninchen einen Tag nicht frisst?

Frisst das Kaninchen auf einmal nicht mehr, oder insgesamt viel zu wenig – kann die Nahrung aus dem Magen nicht weiter in den Darm voran geschoben werden. Es kommt zu Fehlgärung. Das anfallende Gas entweicht nicht, da Kaninchen weder Aufstossen noch Erbrechen können, sondern dehnt den Magen und auch die Darmabschnitte extrem aus. Verdauung über den Darmtrakt ist nicht mehr möglich und somit keine Versorgung mit Zucker oder anderen Energieprodukten aus dem Darm. Zudem bedeutet das Ansammeln von Gas und Ausdehnen des Magens und Darms auch immer starke Schmerzen für das Kaninchen, das sich als Fluchttier nicht bemerkbar macht, sondern still leidet.

Bei jeder Verdauung entstehen zu dem Schadstoffe, die normalerweise abtransportiert werden. Das ist aber jetzt nicht mehr möglich. Sie treten über in das Blut und gelangen in andere Organe. Es kommt zu einer Blutvergiftung.

Es ist jetzt auf deine und tierärztliche Hilfe angewiesen, denn dies ist ein lebensbedrohlicher Zustand.

Welche Gründe gibt es das ein Kaninchen einfach nicht mehr frisst?

Das Symptom Appetitlosigkeit ist sehr unspezifisch, das bedeutet, man muss das Kaninchen in jedem Fall komplett untersuchen und Fragen zur Haltung, Fütterung stellen, um herauszufinden, was die Ursache ist. Häufige Ursachen sind:

  • Zahnerkrankungen: das Futter wird nicht mehr richtig zermahlen bzw. das Kaninchen hat Schmerzen beim Kauen
  • Falsche Fütterung oder zu schneller Futterwechsel
  • Erkrankungen die mit Schmerzen einhergehen
  • Akute Infektionen

Was kann ich tun?

Bemerkst du, dass dein Kaninchen heute wenig oder gar nichts gefressen hat, es aber nicht auffällig müde oder zurückgezogen erscheint, kannst du zunächst versuchen die schmackhaftesten Sachen anzubieten. Vielleicht mag dein Kaninchen gerne frische Gurke oder Paprika.

Es gibt Rohfaserfutter in Pulverform, dieses kann mit etwas Wasser angerührt werden oder per Spritze ins Maul gegeben werden. Es ist von Vorteil immer einen solchen Beutel zuhause zu haben. Viele der Kaninchen fressen dies sogar aus dem Napf, da es nach Anmischen nahezu flüssig ist.

Es ist ganz wichtig, das ein Tierarzt dir das „OK“ für eine Zwangsfüttern gibt. Fütterst du ohne sichere Untersuchung die angegebene Menge zu, so kann es sein, dass der Magen überlädt und reissen kann.

Geht es deinem Kaninchen aber augenscheinlich schlecht, sitzt es teilnahmslos in der Ecke, zeigt vielleicht deutliche Flankenatmung und ist auch von der Körpertemperatur schon abgefallen (<38°C), konsultiere schnell einen Tierarzt – er wird nach der Untersuchung entscheiden ob mit Medikamenten eine Zwangsfütterung möglich ist. Es kann auch sein, dass es deinem Kaninchen so schlecht geht dass es als Intensivpatient stationär betreut werden muss.

Unserer Tierärzte von Dr.SAM beraten dich gern über die verschiedenen Möglichkeiten die du hast und was du machen muss!

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